Die Situation rund um die Rücknahme der Genehmigung zur Duchführung des Staffelmarathon im Flora Westfalica Park in Rheda-Wiedenbrück kommentierte Wolfgang Temme in der "Neuen Westfälischen" vom 20. Februar 2018:

Verbannung des Staffelmarathons aus dem Flora-Park

Unverständliches „Bauernopfer“

Wolfgang Temme

Teilnehmer, Zuschauer und Organisatoren waren sich einig: Es gibt keinen besseren Ort für diese besondere Veranstaltung als den Flora-Westfalica-Park. Fünfmal war es auch das frühere Landesgartenschau-Gelände, das die faszinierende und von der LG Burg Wiedenbrück perfekt umgesetzte Idee eines Staffelmarathons gewinnbringend zur Entfaltung brachte. Mehr als 500 Läuferinnen und Läufer genossen die ideale Streckenführung und die vom Ambiente rund um das Reethus getragene Atmosphäre. Viele haben hier neben der guten Luft ein Stück Rheda-Wiedenbrück eingeatmet. Die Doppelstadt an der Ems konnte damit ihr Image aufwerten. Nun aber ist Schluss damit. Die Flora-Westfalica hat den Staffelmarathon aus dem Park verbannt, indem sie der LG Burg die bereits erteilte Genehmigung zur 6. Auflage am Sonntag, 24. Juni, wieder entzog.

Zu kritisieren ist zunächst das Prozedere. Ohne Vorwarnung, ohne Diskussion und ohne nachvollziehbare Begründung wurde der Verein per Telefonanruf darüber informiert, dass er eine genehmigte Veranstaltung, in deren Vorbereitung er bereits viel Arbeit investiert hat, nicht an der geplanten Stelle durchführen darf. Nur wenige Wochen nach der Übernahme des Geschäftsführerpostens der Flora-Westfalica war dies kein guter Einstand von Dr. Georg Robra. Es wurde nicht einmal der Versuch unternommen, den Konflikt im gemeinsamen Austausch mit der LG Burg zu moderieren. Die Bereitschaft zu Kompromisslösungen im Sinne günstigerer Lärm-Emissionen wäre beim Sportverein zweifellos vorhanden gewesen.

Nun hat der Geschäftsführer der Flora, der auch Erster Beigeordneter der Stadt ist, in seiner Politik sicherlich mehr Aspekte zu berücksichtigen als nur diesen einen Lauf. Und wie es scheint, handelt es sich bei dem Thema „Veranstaltungen in der Flora“ inklusive Stadthallen-Neubau um eine komplizierte Gemengelage mit einigem Sprengstoff. Auch ist ihm abzunehmen, dass er sich die Entscheidung nicht leicht gemacht hat. Und doch entsteht der Eindruck, bei der Verbannung des Staffelmarathons handele es sich um ein kurzentschlossenes „Bauernopfer“ im Interesse anderer Ziele. Dieser ersten „Beschwichtigungsgebärde“ gegenüber klagewilligen Anwohnern sollen weitere folgen. Dabei wird es nicht bei dem bereits angekündigten Verbot von Flohmärkten bleiben.

Ist das im Interesse der Bürger? Die Politik ist gefragt, und es wäre zu wünschen, dass auch mal Flagge gezeigt und Tacheles geredet wird. Man muss als Stadt nicht sofort einknicken, nur weil Einzelne ihre Interessen über das Gemeinwohl stellen und offensiv vertreten. Viel zuviele Sportstätten bei uns haben unter solchen Störfeuern zu leiden.

Was den Staffelmarathon und weitere Veranstaltungen in Mittelhegge und Emsaue angeht, kann die Flora an ihren selbst formulierten Anspruch erinnert werden. Auf der Homepage heißt es: Das Ziel sei ein zusammenhängendes Grünband zwischen den Stadtkernen von Rheda und Wiedenbrück „als dauernde, intensiv nutzbare Naherholungszone weiterzuentwickeln und zu vollenden.“

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