Es gibt nur wenige Gelegenheiten auf sportliche Art Geschichte zu erleben und dabei noch permanent angefeuert, motiviert und verköstigt zu werden. Der Detmolder Residenzlauf bietet genau das. Der 4 x 2,5 KM Rundkurs durch die Residenzstadt führt die Läufer von einer kulturhistorischen Entdeckung zur nächsten.

Schon die Aufwärmrunden am Schloßplatz bieten Gelegenheit den Architekturstil der Weserrenaissance zu studieren. Nur für die empfehlenswerte Schlossführung bleibt leider keine Zeit. Auch der Start auf dem Marktplatz, eingerahmt vom historischem Rathaus, Erlöserkirche und dem schönen Donopbrunnen spricht für sich.
Unmittelbar nach dem Startschuss geht es über die Krumme Straße an vielen denkmalgeschützten Häusern vorbei zur Hornschen Strasse. Dort lebte neben zahlreichen anderen hohen Regierungsbeamten einst ein Teil der Familie von Meysenbug. Der emanzipierten Tochter des Hauses, Malwida von Meysenbug gelang mit ihrer sehr lesenswerten Autobiographie (Memoiren einer Idealistin) eine bedeutende Chronik der bewegten Zeit in Europa um 1848.
Wenige Meter weiter biegt die Strecke auf den Wallgraben ein. Der Wallgraben ist nicht nur sehr schön anzusehen. Er ist auch Beleg absolutistischer Phantasien des lippischen Grafen Friedrich Adolph, der (vergeblich) im 17. Jh. per Schiff vom Residenzschloss zum Lustschloss im heutigen Palaisgarten gelangen wollte.
Dem Wallgraben folgend gelangen die Läuferinnen und Läufer zum alleeartigen Weg am Schlossteich und passieren dort u.a. das bereits 1835 erbaute Lippische Landesmuseum. Neben dem Marktplatz ein Hotspot für die Zuschauer, die hier alles geben, um die Läufer anzufeuern. Mit dieser seelischen Stärkung im Rücken, steuern die Aktiven nach etwa 150 Metern auf Europas größte Reisebühne zu, dem 1825 erbauten Landestheater Detmold.
Scharf rechts streift man dabei am Eingang des Schloßplatzes den originalgetreuen Nachbau des Fußes vom Hermannsdenkmal. Zu diesem Zeitpunkt hat man zwar die Highlights der Runde hinter sich, aber die Reihe ansehnlicher Bauten ist immer noch nicht zu Ende. Nach einer hübschen Passage entlang der Werre biegen die Läufer schließlich auf eine Art verlängerter Zielgerade ein, deren Kopfsteinpflaster die volle Aufmerksamkeit fordert.

Sehr passend, dass Elias Sansar als mehrfacher Sieger des Hermannslaufes, den 10 KM-Lauf in 32:03 Minuten gewann. Bei den Frauen war Stefanie Strate vom SV Brackwede in 37:28 Minuten auf dem Siegertreppchen. Genau 273 Männer und 91 Frauen ließen sich aber mehr Zeit. Von der LG Burg belegte Ralf König in 42:54 den dritten Platz in der AK M55. Meine stimmungsvolle Geschichtsstunde endete nahezu exakt mit dem Schulgong in 45:20 Minuten.

==> Residenzlauf Detmold

 

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