Noch nie war es so schön, wenn es über uns hieß: echt in die Röhre geguckt!

Rückblickend auf sonntägliche Spaziergänge zu Kinderzeiten, spricht meines Erachtens einiges für die These, dass der moderne Mensch den Laufsport letztlich erfunden haben könnte, um dieses frühe Erleben von Monotonie zumindest noch nachträglich zu kompensieren. Aber sind wir ehrlich, nicht nur lange Spaziergänge, sondern auch unser geliebtes Laufen prägt unvermeidbar eine gewisse Monotonie, die man nicht allein mit Geschwindigkeit vertreiben kann. Deshalb suchen wir gerne nach besonderen landschaftlichen Strukturen oder gar skurrilen Objekten, die man sich laufenderweise erschließen kann.

Ganz oben in der Hitliste stehen Läufe mit unendlichen Höhenmetern oder gleich Untertage. Aber auch in Park-, Treppen- oder Gewächshäusern werden Wettkämpfe durchgeführt. Noch reizvoller wird die Strecke, wenn der Zutritt eigentlich verboten ist und es sich um einzigartige Bauwerke handelt. Ein solcher Leckerbissen steht der Laufszene neuerdings mit dem 1. BobbahnRun im quierligen Wintersportort Winterberg zur Verfügung. Die eigentümlich geschwungene Betonröhre konnte bisher allenfalls in alten Zeiten von übermütigen Halbstarken, im Schutz der Dunkelheit, als coole Location in Beschlag genommen werden, wie zu hören war. Heute bestand hingegen für die genau 276 Finisher die einmalige Gelegenheit, entgegen der üblichen Fahrtrichtung, den aufgetauten Eiskanal zu erobern.

Die Bobs mussten also draußen bleiben. Dieses Konzept klang echt verlockend. So verlegten dann Ralf König und Jochen Stey ihre Regenerationsphase zwischen Feuerwehrlauf in Oesterweg und der nur wenige Stunden später stattfindenden Isselhorster Nacht in die Bobbahn, während ich es vorzog, mich komplett auf das Winterberger Event zu konzentrieren. Da man zum Schlittenfahren zwingend ein Gefälle benötigt, war der Start zwar hoch oben an den Bremberg verlegt worden, um zunächst von dort aus beschwingt gute drei Kilometer ins Tal laufen zu können. So weit so gut. Aber leider folgen dann heftige Steigungen, bis endlich der ersehnte Zugang zur Bobbahn erreicht wird. In der schmalen Betonspur muss man sich vom Ziel der Bobfahrer aus, so 1.500 m nach oben arbeiten oder besser gesagt, quälen. Immer wieder durchläuft man dabei tatsächlich auf den 120 Höhenmetern und 15 Steilkurven der Bahn röhrenartige Passagen mit Holzdach, indenen sich die größeren unter uns zumindest vor den tief hängenden Überwachungskameras in acht nehmen müssen.

So herrscht folglich an einigen schmalen Stellen im sogenannten Labyrinth auch ausdrücklich ein Überholverbot! Leider verfehlt dabei unterwegs das aufmunternd gedachte Schild "Die Hälfte ist geschafft" komplett seine Wirkung. Niederschmetternd! Erst die Hälfte? So haben wohl die meisten gedacht. Trotzdem, irgendwann war nach insgesamt etwas über 7 km Laufstrecke und ca. 240 Höhenmetern in der brütenden Hitze, endlich der hoch gelegene Startkanal der Bobfahrer als heutige Ziellinie erreicht.